Fotografien von dem Journalisten Sascha Oliver Rusch
14. Januar 2010 - 9. April 2010
Seit den afghanischen Präsidentschaftswahlen im Sommer kommen vorwiegend Hiobsbotschaften aus dem Land am Hindukusch. Die Diskussionen um den Sinn des militärischen Einsatzes internationaler Truppen und der Bundeswehr in Afghanistan nehmen nicht zuletzt auch deswegen weiterhin einen großen Raum ein. Die innerdeutsche Debatte um den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan und damit die Frage, ob sich die deutschen Soldaten in einem Krieg befinden oder nicht, verliert die Menschen in Afghanistan zunehmend aus dem Auge. Doch um die Afghanen sollte es gehen, wenn wir über Afghanistan sprechen.
Der HVD Berlin eröffnet am Donnerstag, den 14. Januar 2010 um 18 Uhr in seiner Geschäftsstelle eine Ausstellung, die inmitten der gesellschaftspolitischen Kontroversen den Blick wieder auf die Afghanen und ihr Leben in einem permanenten Ausnahmezustand lenkt. Sie machen deutlich, dass es um das Schicksal der Menschen in Afghanistan und nicht allein um die Zukunft des afghanischen Staatsgebildes gehen muss, wenn der Westen über sein weiteres Engagement in Afghanistan diskutiert.
Die Aufnahmen des Journalisten Sascha Oliver Rusch sind eine Hommage an das Land und die Menschen, die er während seiner Afghanistanaufenthalte in den vergangenen zwei Jahren kennengelernt und ins Herz geschlossen hat. Die Bilder der Ausstellung erzählen von Menschen und ihren Schicksalen und geben der tragischen Geschichte des Landes Gesichter und Biografien. Es sind Dokumente des Lebens inmitten der Dauerkrisenregion Afghanistan. Die Fotografien berichten zugleich aus einem Land, in dem die Spuren vergangener Kämpfe noch deutlich sichtbar sind, über dessen tragische Geschichte einfach kein Gras wachsen will. Seine Fotografien aus dem zerstörten Darul-Aman-Palast erzählen von dem wiederholten Scheitern des Landes in den vergangenen Jahrzehnten. Die Panzer, Lastwagen und Geschütze, die die sowjetischen Truppen im Panjschir-Tal zurückließen, passen sich auf surreale Art und Weise in die karge Landschaft ein. Sie wirken wie deplatzierte schlafende Metallriesen, die nur auf den nächsten Kampf warten.
Mit seinen Aufnahmen möchte Sascha Oliver Rusch nicht einfach nur ästhetische Ansprüche umsetzen, sondern insbesondere die Menschen und deren Lebenssituationen erfassen. Dies machen insbesondere seine Afghanistan-Bilder deutlich, die die Ausstellung zeigt. 2008 arbeitete er zum ersten Mal für einige Wochen in Kabul, 2009 verbrachte er fast ein halbes Jahr in Afghanistan. Seither ist er mit dem Land und den Menschen Afghanistans tief verbunden: "Die meisten Menschen hier sind von einer Herzlichkeit, die wärmt. Ich leide mit den Menschen, meinen Freunden, die es verdient haben, in Frieden zu leben und eine Zukunft zu haben." Während seines letzten Aufenthalts wurde er Zeuge eines Anschlags mit einer Autobombe. Er selbst überlebte unverletzt, sieben Menschen kamen jedoch ums Leben. „Menschen in unserer Straße, die ich zum Teil vom täglichen Sehen und Grüßen kannte", erinnert sich Sascha Oliver Rusch.
Die in der Ausstellung zu sehenden Bilder sind zum größten Teil in der afghanischen Hauptstadt Kabul und im Panjschir Tal, das nördlich von Kabul in der Nähe der Hindukusch-Region liegt, aufgenommen. Das Tal war lange Zeit das Zentrum des afghanischen Widerstandes gegen die russische Besetzung. Einige Aufnahmen stammen aus Istalif, einer Stadt an der Straße nach Mazar-i-Sharif, der sog. afghanischen Weinstraße. Die Stadt war von Taliban zerstört worden, jetzt arbeiten die Menschen dort wieder als Töpfer und Händler.
Sascha Oliver Rusch ist Journalist und arbeitete für die Berliner Morgenpost, Pro Sieben, SAT.1 und das ZDF. Er ist als Entwicklungshilfeberater für die Europäische Kommission und die Vereinten Nationen tätig. In den vergangenen Jahren lebte und arbeitete er in Afghanistan, China, Moldawien, im Kosovo, in der Türkei und der Ukraine. Sascha Oliver Rusch ist bei der Vernissage anwesend und steht für Anfragen zur Verfügung.
Am Rande der Ausstellung ist außerdem ein 25-minütiger Film von Sascha Oliver Rusch zu sehen. Darin sind auch die Ereignisse des Autobombenanschlags im Oktober 2009 festgehalten.
AFGHANISTAN - Ein Land zwischen Krieg und Frieden. Ausstellung mit Fotografien von Sascha Oliver Rusch.
14. Januar 2010 - 9. April 2010 (während der Geschäftszeiten)
Ausstellungseröffnung am Donnerstag, den 14. Januar 2010 um 18 Uhr in der Wallstraße 65, 2. Etage, 10179 Berlin-Mitte (U2 Märkisches Museum, U8 Heinrich-Heine-Straße, S Jannowitzbrücke).