Keine weiteren religiösen Feiertage in die Schulen

Der Humanistische Verband Deutschlands in Berlin spricht sich gegen die bundesweite Einführung zusätzlicher religiöser Feiertage in Schulen aus. Die in Berlin geltenden Ausführungsvorschriften über Beurlaubung und Befreiung vom Unterricht (AV Schulpflicht) sollten ausreichend sein, um dem Einzelnen die Ausübung seiner Religion zu ermöglichen.

Die Institution Schule hat eine wichtige Funktion in unserer Gesellschaft. Das Praktizieren der privaten religiösen Orientierung darf nicht auf Kosten des schulischen Bildungsauftrags und Lernens gehen. Eine Einführung zusätzlicher Feiertage in der Schule hätte jedoch eine Einschränkung des Unterrichts zur Folge.

Aus Achtung gegenüber den Individuen, zu deren Identität der Glauben gehört, erkennt der HVD Berlin die vielfältigen religiösen Orientierungen der Menschen in Deutschland selbstverständlich an. Wir sind aber zugleich der Überzeugung, dass es für ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft förderlich und notwendig ist, dass in Teilbereichen der Gesellschaft die religiös-weltanschauliche Neutralität hohes Gewicht hat. Eine Einführung zusätzlicher Feiertage für einzelne Religionsgemeinschaften widerspricht dieser weltanschaulichen Neutralität, die in der Schule als Ort von Bildung, Erziehung und des Zusammenlebens in besonderem Maße gilt.

Der HVD Berlin kann ferner nicht erkennen, inwieweit eine solche Einführung einen sinnvollen Beitrag zu mehr Integration und Toleranz leisten könne. Integration meint, dass Schüler/-innen unterschiedlicher kultureller Prägung die Gelegenheit bekommen, im gemeinsamen Unterricht ein respektvolles und tolerantes Miteinander zu lernen und zu leben. Eine Trennung der Schülerschaft entlang religiöser Feiertage kann kaum zu einem Mehr an Toleranz und Integration führen.

Der HVD Berlin verzichtet auf den Anspruch eines eigenen Feiertags für Humanisten. Er sieht daher auch keine Notwendigkeit, einen Feiertag der Konfessionslosen einzuführen, wie ihn die Giordano-Bruno-Stiftung im Februar dieses Jahres vorgeschlagen hat.

Medienberichten zufolge hatten sich kürzlich der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschlands (TGD), Kenan Kolat, und der Zentralrat der Juden dafür ausgesprochen, einen muslimischen bzw. einen jüdischen Feiertag zusätzlich in den Schulkalender einzuführen.